Montag, 16. Januar 2017
Nona- working mom: Die digitale Nabelschnur - oder warum mich die Entspannung boykottiert
Ich wache abrupt auf vom Geräusch der knarrend knallenden Kinderzimmertür. So ist das immer; Der Kleine versucht diese immer gaaanz leise zu schließen, aber weil es so schwer geht und man gleichzeitig ziehen und drücken müsste, gibt er beim dritten Versuch auf und das wars - bumm! „Du Vollpfosten! Mama und Papa wollen ausschlafen!“, höre ich dann immer den Großen schimpfen. Der Kleine fängt an zu weinen.
Wenn ihr meinen Blog öfter gelesen haben werdet oder wenn ihr selber Eltern seid, werden ihr wissen – das muss ein Samstag oder Sonntag sein.
Aber irgendetwas ist anders als sonst, das merke ich gleich. Ja, es ist mein Schädel, er tut weh, er brummt, er brummt sehr. Ein Blick auf den Wecker verrät mir, dass es 7.14 Uhr ist, eine durchaus humane Aufstehzeit für einen Samstag (für Eltern). Normalerweise ist es die Zeit wo ich fluchend das Auto frei kratze um zur Arbeit zur fahren. Ich bin Lehrerin.
Wieder einschlafen kann ich knicken. Also aufstehen. Auf dem Klo sitzend stelle ich fest, dass ich schlechte Laune habe und Hunger. Warum, weiß ich noch nicht. Wenn ich morgens Hunger habe, wiege ich mich manchmal. Irgendeine unlogische Gehirnwindung suggeriert mir, dass ich dann womöglich weniger wiege, weil ja der Hunger im Schlaf mein Fettdepot aufzehrt. Diese Überlegung erweist sich trotzt wiederholt gegenteiliger Empirie erneut als Wunschtraum. Der zweite Stellenwert ist eine Bitch (der erste eigentlich auch). Aber dazu ein andermal.
Langsam kehrt meine Erinnerung zurück. Es ist Samstag, der vierzehnte. Ich hatte eine harte Arbeitswoche hinter mir und beschloss am Donnerstag, den zwöften, dass es absolut notwendig und an der Zeit sei, sich mal wieder etwas Gutes zu gönnen. Ich bin leider absolut unegoistisch und arbeite daran es zu ändern. Also zwangsverpflichtete ich meine liebste – noch kinderlose- Kollegin und Freundin K. zu einem typischen Mädelsnachmittag.
Ich freute mich nach getaner Orga wie ein Honigkuchenpferd auf diesen Freitag! Allein die Tatsache, dass ich einen ganzen kinderfreien Nachmittag vor mir aufleuchten sah, versetzte mich in helle, elektrisierende Aufregung.
Freitag 16 Uhr, erste Station: Thaimassage.
Nach einem herrlichen Fußbad, bei dem unsere wintergeplagten Füße langsam aufgetaut wurden, begann die Prozedur der Knetung. Thaimassage muss man sich so vorstellen: Du bist wie eine Tube mit Tomatenmark, die so lange gequetscht, zusammengerollt und geknickt wird, bis sie leer ist- in meinem Fall leer von Verspannungen, Stress und diesem nagenden Gefühl des „Dauer-schlechten-Gewissens- dass –ich – gerade- irgendwas –vernachlässige“, das mich immer plagt, egal was ich tue. Ich kann sehr schlecht entspannen, daher benötige ich zur Einleitung der Entspannung Hardcoreimpulse, wie eben eine Thaimassage.
K. rät mir das Handy auszumachen und schaltet ihres seelenruhig ab. Ich lasse meines an und schiebe dies auf den fehlenden Handyempfang im Keller. Tatsächlich schalte ich mein Handy niemals aus. Noch nicht mal, als mir im CT eine Drainage gelegt wurde, war ich dazu bereit und wies den nutzlos daneben stehenden Praktikanten an ranzugehen wenn es klingeln würde. Soll der halt mal was Sinnvolles tun.
Ich bin Mutter. Mütter schalten ihr Handy niemals aus. Schon gar nicht, seit mein Großer auch eines besitzt. Das ermöglicht mir meinem Kind Freiheiten zu gewähren und auch mal länger in der Arbeit zu bleiben, ohne dass ich dauern das Gefühl verspüren muss, mich unmittelbar vor einem Herzinfarkt zu befinden.
16:34 Uhr : Die Tomatenmarktube ist bereits halbleer, die nette Thaidame balanciert – zwei Skistöcke in den Händen- auf mir herum und setzt nötige Hardcoreimpulse. Da passiert es- das Handy klingelt. Der Empfang ist gut genug um zu sehen, dass mein Sohn dran ist. Auf dem Display grinst mich seine Zahnlückenschnute frech an. Natürlich muss ich rangehen, aber ich höre nur Lärm, dann Verbindung abgebrochen. Ich versuche zurückzurufen- beebbeebbeb. Nix! Er ruft wieder an- Verbindung abgebrochen. Ich rufe zurück – beebbeebbeb. Panik- dezent. Das Schauspiel wiederholt sich noch weitere vier Male. Die Tomatenmarktube ist wieder voll und prall, sie droht gleich zu platzen. Mit matschigen Fingern versuche ich meinem Mann eine Whatsapp zu tippen, um die Sache abklären zu lassen, aber da ich liege und sich der Bildschirm dadurch dauern dreht, bringe ich nichts Besseres als “ruiifg noserr wnio!!!!“ zustande.
Und selbst das bleibt ihm Keller stecken. Ich versuche mich innerlich zu beruhigen und Möglichkeiten abzuwägen, was passiert sein könnte. Warum ruft er an? Sonst schickt er doch nur eine SMS wenn er vom Hort nach Hause kommt. Mein Mann holt nämlich gerade den Kleinen von der Kita ab und wird nicht mal mitbekommen, falls der Große nicht heil daheim ankommt. Mein Mann ist Meister der Seelenruhe. Er braucht keine Hardcoreimpulse. Ihm reicht es schon fünf Minuten sein Handy zu streicheln, dann ist er megaenspannt. Sein Dauerrat an mich lautet seit Jeher: „ Mach dir doch mal keine Sorgen!“ Wenn er dem noch mehr Nachdruck verleihen möchte, wahlweise auch: „Was ich als Kind alles gemacht habe und es ist nie was passiert“ und „ es ist doch noch nie was passiert!“ Scheiß Totschlagsargumente“, denke ich dann oder „typisch Mann“.
Der Rest der Massage ist für den Arsch.
Raus aus dem Keller, gibt mein Handy im Sekundentakt Töne von sich.
Beeeb1 (Mein Mann) : „Chill mal, alles ist bestens. N. ist zu Hause, er wollte dir nur etwas erzählen.“
Beeb2( Mutter von dem besten Freund meines Sohnes): „ Aus dem Besuch morgen bei uns wird es leider nichts, unsere Jungs haben sich wohl ziemlich verkracht!“
Beeb3( Mein Sohn): Mama, warum legst du dauernd auf? Es ist etwas sehr Schlimmes passiert!
Ich danke innerlich der Mutter des Freundes für die übermittelte Info. Das Erspart mir einen Herzinfarkt durch Beeb 3.
Beeb4 (Meine Mutter): Wo steckst Du? Meine Whatsapp Nachrichten kommen nicht an? Ich hoffe, du hast einfach nur dein Handy aus und bist nicht in irgendeinem Keller, wo du von einem Perversen gefoltert wirst. ICH MACHE MIR SORGEN!!

Fortsetzung folgt…..und vergesst nicht, das alles geschah am Freitag, den 13.! Und das alles ist zu 99% wahr!

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